Projekt: Gegen das Vergessen

Projektinfo


Erforschen der Geschichte jüdischer Familien zwischen 1933-1945
Säuberung der Grabsteine und Dokumentation der Inschriften
auf dem jüdischen Friedhof in Goch (Kalkarer-/Reeserstr.)

09.05.2005

Klasse 8f, Max Balsiger, Ruth Warrener
WP II - Kurs Arbeitslehre - Schwerpunkt Neue Technologien

„...Ich möchte, dass sich jemand daran erinnert,
dass einmal eine Person namens David Berger gelebt hat.“

Dies schrieb ein Jude namens David Berger aus Vilna im Jahre 1941.

Auch wir wollen, dass man sich an die Namen der jüdischen Familien aus Goch erinnern kann, denn sie sollen nicht in Vergessenheit geraten.

Hier finden sie eine Übersicht der Projektbilder

 

Hinweise zur Entstehung und Durchführung des Projekts

 

Während 1932 noch ca. 80 Angehörige der jüdischen Gemeinde in Goch wohnten, wurden diese in der Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt, enteignet, vertrieben und ermordet. 55 jüdische Gocher starben in Konzentrationslagern, 39 emigrierten, 11 starben eines natürlichen Todes und 3 kehrten nach dem Krieg nach Goch zurück. Heute leben keine Angehörigen dieser Familien in Goch.
Um das Andenken an die Gocher jüdischen Glaubens zu bewahren, haben wir uns im Politikunterricht mit dem Schicksal jüdischer Familien im Nationalsozialismus beschäftigt und dazu eine Ausstellung erstellt.

Ein anderer Weg das Vergessen zu verhindern und die Erinnerung zu bewahren bestand in der Säuberung der Inschriften auf einem jüdischen Friedhof in Goch. Diese waren durch Überlagerung mit Moosen und Flechten zum Teil kaum noch lesbar.

Zur Reinigung benutzten wir Zahnbürsten, Schwämme, Topftücher und Wasser. Unter anderem wurden die unlesbaren Inschriften auf den Grabsteinen der Familien Snoek, Koppel, Devries, Bruckmann  und viele mehr wieder lesbar.

Die gesäuberten Grabsteine wurden anschließend fotografiert und die Inschriften dokumentiert. Eine Informatikgruppe hat die Angaben zu den Inschriften auf dem Friedhof dokumentiert.
Anschließend wurden fehlende Angaben und Familienbeziehungen mit Hilfe der Register des Stadtarchivs ergänzt und vertieft.
Eintragung ins Standesregister D629 StA Goch - David Abraham Elias Hartog und Eleonore Koppel.
In diesem Register erhielt man Informationen über die Eltern und Ehepartner.
Eintragung über David Hartog im Sterberegister - (hier erfuhren wir z.B., dass er in Gennep geboren wurde)

Die gesammelten Informationen wurden dann als Webseiten für das Internet aufbereitet.

Bei der Durchführung des Projekts wurden wir von vielen Seiten unterstützt. Wir bedanken uns bei  Herrn Rubinstein, Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, bei der Stadt Goch, insbesondere bei dem Stadtarchivar Herrn Koepp, Herrn van Well und Herrn Siebers. Unser Dank gilt auch Frau Koopmann, die uns bei der Übersetzung einiger hebräischer Inschriften half.

Schüleräußerungen zum Projekt:

  • Lisa van Loveren und Katja Colter  antworteten auf die Frage, ob es ihnen Spaß gemacht habe:
    „ Ja, weil  wir uns für etwas Gutes einsetzen“
  • „Es sind Erinnerungen an früher, heute und auch morgen“
    mit dieser Verszeile drückt Hatice Küppers ihre Gefühle während des Projekt aus.

Ruth Warrener, Goch 08.05.05

Schicksal der Gocher Juden zwischen 1933-1945,
Quelle: Katharina Drießen, Die Gocher Juden im Dritten Reich, Powerpointpräsentation des Stadtarchivs,

 


Hinweise zum methodischen Vorgehen und zur Quellenlage

Geschichte der jüdischen Familien in Goch

Die Ausgangsquelle für die Darstellung der jüdischen Familien in Goch war die "Alphabetische Liste der jüdischen Gocher" von Ruth Benger. In ihr werden alle Angehörigen der jüdischen Gemeinde genannt, die zwischen 1933 und 1945 in Goch wohnhaft waren. Ergänzt wurden die Informationen durch Heinz Mosters Artikel "Wo sind sie geblieben". Da ich bereits beim Vergleich dieser beiden Listen Unstimmigkeiten entdeckte, zog ich die Bücher von Pracht Jörns "Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen" und "Juden in der Geschichte des Gelderlandes" von Bernhard Keuck und Gerd Halmanns hinzu. Ergänzend und vertiefend benutzte ich die "Auszüge aus den Standesregistern des Standesamts Goch, betr. jüd. Einwochner von 1795 bis 1945" D629 Stadtarchiv Goch und das "Verzeichnis der Anfang 1933 noch in Goch wohnenden Juden" StA Goch D630 . Einige Fehlinformationen konnten dadurch ausgeglichen und fehlende Angaben ergänzt werden. Durch die Dokumentation der Grabinschriften konnten ebenfalls weitere Angaben ergänzt werden. Da aber auch die Unterlagen des Stadtarchivs nicht immer stimmig sind - im Geburtsregister werden z.B. die Vornamen der Eltern verändert - zweifel ich daran, dass wir alle Fehler ausmerzen konnten.

Bei der Darstellung der Geschichte ausgewählter jüdischer Familien im Dritten Reich sind in den Tabellen bis auf wenige Ausnahmen nur Gocher aufgeführt, die zwischen 1933 und 1945 in Goch wohnhaft waren. Um das familiäre Umfeld darzustellen war es jedoch nötig, in den Texten, Bildern und Stammbäumen auch Familienmitglieder aufzunehmen, die bereits vor 1933 verstorben waren.

Die Chronik basiert vor allem auf der Powerpointpräsentation des Stadtarchivs "Die Gocher Juden im Dritten Reich", die von Katharina Drießen erstellt wurde.

Für die Stammbaumerstellung stand uns in der Schule leider nur ein Programm zur Verfügung, mit dem man eigentlich Organigramme erstellt. Ich hoffe, das die Familienstrukturen trotzdem zu erkennen sind. Wichtig war es vor allen Dingen, farblich das Schicksal der Familienangehörigen aufzuzeigen. Es ist erschreckend festzustellen, dass es nahezu keine Familie gibt, die keine Angehörigen in Konzentrationslagern verloren hat.

Dokumentation der Inschriften des jüdischen Friedhofs Kalkarer/Reeser Str.

Neben den Inschriften selbst waren die "Auszüge aus den Standesregistern des Standesamts Goch, betr. jüd. Einwochner von 1795 bis 1945" D629 StA Goch. die Hauptinformationsquelle. Weitere wichtige Informationen fanden sich auch in Peters und Pracht Jörns, die über die Bedeutung jüdischer Friedhöfe im allgemeinen bzw. über die Geschichte der Gocher Friedhöfe berichten.

 

 

Dateiname: pinfo.htm
Datum: 05/0512.06.2005
Erstellt von: Ruth Warrener
Fotografien: Ruth Warrener